Die Bilanz des Bienenjahres 2026 fällt auf den ersten Blick eindeutig aus: Deutschlands Imkerinnen und Imker haben so viel Honig geerntet wie noch nie. Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) mit Sitz in Wachtberg bei Bonn lag der Durchschnitt bei 39,5 Kilogramm pro Bienenvolk – und damit sogar über dem bisherigen Rekordjahr 2025.
Doch hinter der Zahl steckt eine differenzierte Geschichte. Denn dieselben Bedingungen, die in manchen Regionen für volle Honigräume gesorgt haben, stellen die Imkerei an anderer Stelle vor wachsende Probleme.
Woher der Rekord kommt
Besonders ergiebig war die Ernte im Norden und Osten Deutschlands. Dort prägen große Rapsfelder die Landschaft – und Raps ist für Honigbienen eine der wichtigsten Trachtpflanzen im Frühjahr. Blüht er zuverlässig und ist das Wetter flugtauglich, tragen die Völker in wenigen Wochen große Nektarmengen ein.
Bemerkenswert: Der Rekord kam trotz ausgeprägter Trockenheit zustande. Ein Großteil der Menge dürfte also aus dem Frühjahr stammen, bevor Hitze und Dürre die Landschaft im Sommer ausgedörrt haben.
Die Kehrseite: weniger Bienenvölker, weniger Futter im Spätsommer
Der Imkerbund macht deutlich, dass die Rekordmenge nicht über strukturelle Probleme hinwegtäuschen sollte:
- Die Zahl der Bienenvölker geht zurück. Eine hohe Ernte pro Volk bedeutet nicht automatisch, dass es den Bienen insgesamt gut geht.
- Nach dem Hochsommer fehlte vielerorts Nahrung. Wo sonst Wiesen mit Klee und anderen Blühpflanzen stehen, fanden die Bienen nach dem heißen, trockenen Sommer oft nur noch verdorrte Flächen.
- Das gefährdet die Winterbienen. Im Spätsommer zieht ein Bienenvolk die sogenannten Winterbienen auf – langlebigere Tiere, die das Volk über die kalten Monate bringen. Dafür braucht es ausreichend Nektar und vor allem Pollen als Eiweißquelle. Fehlt beides, starten Völker geschwächt in den Winter.
Für Imker bedeutet das: Eine starke Frühjahrsernte kann mit einem schwierigen Herbst einhergehen, in dem zugefüttert und die Völkerentwicklung genau beobachtet werden muss.
Warum Sortenhonig schwieriger zu ernten ist
Ein zweiter Punkt betrifft direkt das, was später im Glas landet. Durch die steigenden Temperaturen beginnen viele Pflanzen früher zu blühen als noch vor einigen Jahrzehnten. Gleichzeitig überlappen sich die Blühzeiten wichtiger Nektar- und Honigtauquellen immer häufiger.
Das hat Folgen für Sortenhonige. Ein Honig darf nur dann als Sortenhonig – etwa als Lindenhonig – bezeichnet werden, wenn er überwiegend aus der namensgebenden Pflanze stammt und deren typische Eigenschaften in Geschmack, Farbe und Pollenbild zeigt. Früher folgten viele Trachten zeitlich aufeinander, und Imker konnten gezielt nach einer Blüte schleudern. Blühen Linde, Robinie oder andere Trachtpflanzen dagegen gleichzeitig, sammeln die Bienen parallel an mehreren Quellen. Das Ergebnis ist häufiger ein Mischhonig – geschmacklich oft ebenso gut, aber eben keine reine Sorte.
Der Imkerbund nennt ausdrücklich den Lindenhonig als Beispiel für eine Sorte, deren sortenreine Ernte zunehmend schwieriger wird.
Was der Imkerbund fordert
Der Deutsche Imkerbund sieht die Politik in der Pflicht: Sie solle sich entschiedener gegen den Klimawandel einsetzen und den Ausbau klimafreundlicher Energiegewinnung – etwa durch Wind- und Solarenergie – weiter vorantreiben.
Was das für Honigliebhaber bedeutet
Für Verbraucherinnen und Verbraucher lassen sich aus dem Rekordjahr einige Punkte mitnehmen:
- Deutscher Rapshonig ist 2026 gut verfügbar. Rapshonig kristallisiert wegen seines hohen Traubenzuckeranteils schnell und wird deshalb häufig cremig gerührt angeboten. Das ist ein natürlicher Vorgang und kein Qualitätsmangel.
- Sortenhonige sind keine Selbstverständlichkeit. Wenn ein Imker einen sortenreinen Linden-, Heide- oder Kastanienhonig anbietet, steckt dahinter Standortwahl, gutes Timing – und zunehmend auch etwas Glück mit dem Wetter.
- Regionale Imkerei unterstützen hilft den Bienen. Wer Honig von heimischen Imkern kauft, trägt dazu bei, dass Bienenvölker in Deutschland gehalten und gepflegt werden.
- Blühflächen zählen. Auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon helfen spät blühende Pflanzen wie Efeu, Astern oder Fetthenne, die Futterlücke im Spätsommer zu verkleinern.
Fazit
2026 geht als Rekordjahr in die Statistik der deutschen Imkerei ein. Gleichzeitig zeigt die Saison, wie stark die Honigbiene von Wetter und Klima abhängt: Volle Rapsfelder im Frühjahr stehen verdorrten Wiesen im Spätsommer gegenüber, und sich verschiebende Blühzeiten machen klassische Sortenhonige zu etwas Besonderem. Ein Glas deutscher Sortenhonig ist damit mehr denn je das Ergebnis sorgfältiger Imkerarbeit.
Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Imkerbundes e.V., zitiert nach WDR, „Die Honigernte 2026 übertrifft alle Rekorde“, 25.09.2026.

